Eine etwas andere Zauberflöte
Mozarts Opern-Klassiker am Nationaltheater in Windhoek
von Hannah Suppa
Opern-Inszenierungen sind in Windhoek eher selten. Nun hat Sandy Rudd im Rahmen des Bank Windhoek Arts Festival Mozarts ,,Die Zauberflöte" im Nationaltheater inszeniert. Eine abgespeckte Version des Opern-Klassikers, aber mit viel Liebe zum Detail.
Bevor man die Inszenierung der ,,Zauberflöte" am Nationaltheater bewerten kann, sollte man zunächst einmal alles ausblenden, was man bisher über die berühmte Oper gelesen und gehört hat. Für einen Moment vergessen auf welchen großen Bühnen der Welt Tamino versucht hat Pamina zu retten, vergessen welche großen Sänger schon Papageno oder die Königin der Nacht interpretiert haben und sich einfach auf die Windhoeker Inszenierung einlassen.
Nicht mit Musik beginnt die namibische ,,Zauberflöte" - auf die Bühne tritt Bank Windhoek Arts Festival-Organisator Aldo Behrens und begrüßt das Publikum mit ,,Good evening boys and girls". Er geht auf in seiner Rolle als Großvater, der die Geschichte von einer großen Liebe und einer magischen Flöte erzählt. Mit weißem Haar und gewählter, ruhiger Stimme gibt er auf Englisch einen kurzen Abriss über die Handlung und die auftretenden Personen. Es ist charmant, wie Behrens im Scheinwerferlicht im Orchestergraben vorm Notenpult sitzt. Statt der in Opern üblichen Textübersetzung per Digitalanzeige oberhalb der Bühne, erklärt der Festivaldirektor den nicht deutschsprachigen Zuschauern die Handlung. Eine nette Idee, die auch zum Stück passt - nicht umsonst wird ,,Die Zauberflöte" auch als Kinderoper oder ,,leichter Operneinstieg" bezeichnet.
Durch diese Art die Handlung zu erzählen, spart Sandy Rudd Zeit und die Geschichte wird gerafft, so dass der Fokus auf den Gesang gelegt werden kann.
Ein auf Pappe gemalter Wald dient als Kulisse für die erste Szene - musikalisch werden die Sänger nur von der Pianistin Laetitia Orlandi begleitet. Ein für die ,,Zauberflöte" typisches Orchester bestehend aus Flöte, Klarinette, Oboe, Hörnern und anderen Bläsern gibt es leider nicht. Einige der Sänger können mit ihrem Stimmvolumen aber die fehlenden Musiker wettmachen: So zum Beispiel die ,,Königin der Nacht", gesungen von Michelle Veenemanig. Sie interpretiert den schwierigen und dramatischen Koloratursopran grandios und erntet Szenenapplaus - sie trägt ein wallendes dunkelblaues, glitzerndes Kleid und eine funkelnde Krone. So stellt man sich die ,,Königin der Nacht" vor. Weniger überzeugen kann an diesem Abend Hauptdarsteller Tamino, gesungen von Arthur Swan. Zwar sei er krank, wie Aldo Behrens eingangs entschuldigt, doch die bezaubernde Hanli Stapela (Pamina) übertönt in den Duetten mit ihrem Sopran den etwas angekratzten Tenor. Schade. Das Bühnenbild wechselt von Szene zu Szene: Mal der Wald, dann eine Pyramide, die für das Reich des Sarastro steht, Feuer und Wasser, eine Bank mit schwarzem Hintergrund - alles offensichtlich handgemacht. Doch die bunten und vor allem kitschigen Lichterketten im Blätterwald beim ersten Auftritt der ,,Königin der Nacht" waren vielleicht ein bisschen zu viel. Die Auftritte von Paradiesvogel Papageno (humorvoll und sehr gut gesungen von Denver Smith) sind auch bei der Windhoeker Inszenierung das Highlight. Ein buntes Federkostüm, eine Panflöte und immer ein witziger Spruch auf den Lippen. Papageno ist wohl eine der liebenswertesten Figuren der Opernlandschaft. Und sein Duett mit Papagena in der 9. Szene des zweiten Aktes stimmt einfach fröhlich.
Beeindruckend auch, wie akzentfrei die größtenteils südafrikanischen Sänger die deutsche Oper singen. Sandy Rudd hatte sich für das Arts Festival viel vorgenommen: Neben der ,,Zauberflöte" hat die Regisseurin gleichzeitig auch das Musical ,,Lion´s Roar" auf die Bühne gebracht. Trotz zweier großer Projekte gleichzeitig ist die Mozart-Inszenierung gelungen. Wenn man es aus namibischer Sicht betrachtet und eben nicht an große europäische Aufführungen des Klassikers denkt.
Algemeine Zeitung Namibia - Nachrichten mit Charakter (22 September 2006)